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Interview: Balz Halter im Gespräch

  • Writer: Basel.vorwärts
    Basel.vorwärts
  • Jan 20
  • 3 min read

Updated: Jan 26

Es muss verdichtet werden, ist Balz Halter, Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär der Halter AG, überzeugt. Im Interview erklärt er, wieso diese Verdichtung sinnvoll und notwendig und ist und wo sie am meisten Sinn macht.

Balz Halter im Gespräch

Immobilienmakler & VR-Präsident Balz Halter


Herr Halter, Sie sind einer der wichtigen Figuren hinter URBANISTICA - Vereinigung für guten Städtebau. Was treibt sie an, sich für diese Thema so zu engagieren? 

Wir erleben aktuell in vielen Regionen der Schweiz eine Wohnungsnot und steigende Preise. Das wird sich noch weiter akzentuieren. Die Produktion von zusätzlichem Wohnraum kann mit der steigenden Nachfrage nicht schritthalten. Das ist die Folge ausbleibender Raumplanung. Anstatt Mietpreisdeckel einzuführen, die die Wohnungsproduktion zusätzlich verlangsamen, müssen wir verdichten, in dem wir wieder Stadtplanung und Städtebau betreiben. Nur so können wir nachhaltig hochwertigen Wohnraum schaffen. Stadtplanung ist eine zentrale Aufgabe der öffentlichen Hand. Die Kantons- und Gemeindebehörden sind in der Pflicht.

  

Im Auftrag von URBANISTICA hat SOTOMO in einer Studie Potenziale für nachhaltige Innenentwicklungen untersucht. Haben Sie die Ergebnisse überrascht? 

Nein. Die Studie belegt sehr anschaulich, was URBANISTICA im Manifest und seiner Raumstrategie Schweiz 2070 bereits aufgezeigt hat. Durch substanzielle Verdichtung an Orten mit hoher ÖV-Zentralität kann genügend Wohnraum realisiert werden, ohne das unnötig viel Bausubstanz und günstiger Wohnraum vernichtet wird und ohne, dass erheblich mehr Mobilität entsteht.


Die Studie sieht Potenzial für Wohnraum für 2 Mio. Menschen. Möchte die Schweiz tatsächlich so viel zusätzlichen Wohnraum? 

Das BFS geht davon aus, dass wir bereits 2040 10 Mio. Einwohner haben werden. Mit Annahme der Nachhaltigkeitsinitiative würde dies 2050 der Fall sein. Weil die Raumplanung sehr träge ist, müssen wir Nutzungsreserven vorsehen über ein, zwei Generationen hinaus, für den wahrscheinlichen Fall, dass das Wachstum danach weitergehen wird.


Die in der Studie eruierten Potenziale bedeuten primär eine Verdrängung der bestehenden Besiedlung. Denken Sie, dass sich für solche Ideen in Gemeinden Mehrheiten finden? 

Mit der Annahme der Revision des Raumplanungsgesetzes 2013 hat das Schweizer Stimmvolk weitere Einzonungen von Bauland untersagt. Weil mittlerweile fast alle Baulandreserven überbaut und die meisten gut gelegenen Industriebrachen umgenutzt sind, kommen wir um eine Verdrängung nicht herum. Deshalb unsere Forderung, nur an zentralen Lagen, dafür substanziell zu verdichten, d.h. das Nutzungsmass mindestens zu verdoppeln. Dadurch sind weniger Menschen von Verdrängung betroffen. Zudem haben sie eher die Chance, innerhalb des Quartiers eine leer werdende, zahlbare Wohnung zu finden.


Die Studie empfiehlt, gut durchmischte Nutzungen in den neuen Überbauungen anzusiedeln. Wie soll eine Durchmischung sichergestellt werden? 

Erfolgen die Verdichtungen an zentralen Orten, auf der Grundlage weitsichtiger Stadtplanungen, können attraktive, lebendige Stadtquartiere entstehen, vergleichbar mit dem Gundeli. Dichte führt zu erhöhter Nachfrage, die aufgrund der Durchmischung im Quartier in Gehdistanz befriedigt werden kann und auch zu sozialem Austausch.


Ein Vorteil der Agglomeration ist auch die einfachere Nutzung eines Autos. Diese Mobilitätsform wird in der Studie ausgeklammert. Schwächt sie das nicht? 

Das Gegenteil ist der Fall. Die Studie widerspiegelt das in der Raumstrategie geforderte Städtenetz. Entwickeln sich Agglomerations- und Regionalzentren zu kleinen und mittleren Städten, können viele Versorgungs- und Freizeitbedürfnisse in nächster Nähe befriedigt werden. Zusätzliche Mobilität dürfte sich auf die bestehenden Infrastrukturachsen konzentrieren, insbesondere auf den öffentlichen Verkehr.


Neue Einwohner in einer Gemeinde bedeuten auch, die kommunale Infrastruktur auszubauen. Dies ist meist mit hohem finanziellem Aufwand verbunden. Können die Gemeinden diese Kosten tragen? 

An Orten, wo substanziell verdichtet wird, entstehen bedeutende Planungsmehrwerte. Diese führen zu grossen Einnahmen für die Gemeinden in Form von Mehrwertabgaben und Grundstückgewinnsteuern. Zudem ziehen neue Wohnungen auch Gutverdiener an. Das Steuersubstrat wächst.


Wie können auch grössere Arbeitgeber motiviert werden, ihre Arbeitsplätze zu dezentralisieren und in die Agglomeration zu ziehen? 

In dem in den sich neu entwickelnden Mittelstädten günstigere Arbeitsflächen zur Verfügung stehen. Arbeitstätige finden günstigeren Wohnraum, sparen Fahrkosten und gewinnen wertvolle Lebenszeit. Deshalb dürften auch die Lohnkosten tiefer liegen.


Mit welchem Engagement will URBANISTICA in Zukunft ihren Beitrag zur Innenverdichtung leisten? 

Als Thinktank wollen wir immer wieder konstruktive Ansätze und Lösungsvorschläge einbringen und so die dringend notwendige Diskussion befeuern, auch weit über Fachkreise hinaus. In unserer Raumstrategie Schweiz 2070 finden sich sehr viele bedenkenswerte Anregungen zu den aktuellen raumplanerischen Herausforderungen. Wir hoffen, dass gewisse Überlegungen Eingang finden in das aktuell in Bearbeitung befindliche «Raumkonzept Schweiz» des Bundes und in die nachfolgenden Pläne.



Balz Halter ist ein Schweizer Unternehmer und Immobilienmanager. Er ist Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident der Halter AG, einem der führenden Bau- und Immobilienentwicklungsunternehmen der Schweiz. Geboren 1961, studierte er Bauingenieurwesen an der ETH Zürich und Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Halter gilt als prägende Figur der Schweizer Stadt- und Arealentwicklung und war zudem in weiteren Verwaltungsrats-mandaten tätig, unter anderem bei der Basler Hiag Immobilien Holding AG.


 
 
 

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