Hochhaus Steinentor: Statement für den Wandel an der Heuwaage
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Die Heuwaage erwacht langsam aus ihrem Dornröschen-Schlaf. Lange war es ruhig um das Einfallstor zu Basel. Kann das neue Hochhaus als visueller Höhepunkt die Heuwaage zu einem attraktiven Ort machen? Es braucht noch mehr, sind Miller & Maranta Architekten, die den Neubau des Hochhauses entworfen haben, überzeugt. Aus ihrer Sicht müsste auch die Strassenführung rund um die Heuwaage neu gedacht werden – und mit ihr das Viadukt.

Mit ihrem Hochhaus am Steinentor schaffen Sie nach über 40 Jahren den ersten relevanten Neubau an der Heuwaage.
Unser Hochhausprojekt ist die markanteste städtebauliche Veränderung an der Heuwaage der letzten Jahre. Doch es ist viel geschehen. Einzelne Bausteine verändern den Ort, schaffen eine städtebaulich bessere Gesamtlösung und werten den Ort auf.
Welche Veränderungen sprechen Sie konkret an?
Die Anbindung des Zollis ist nicht nur viel besser, sondern auch attraktiver geworden. Dafür haben die Aufwertung des «Nachtigallewäldlis» mit mehr Grünfläche und der Kuppel-Neubau gesorgt. Sobald das neue Parkhaus am Erdbeergraben eröffnet ist, wird der Eingang des Zollis als weiterer Baustein hin zur neuen Heuwaage verlegt und neugestaltet werden.
Ist die Heuwaage mit dem Hochhaus fertig gebaut?
Nein. Städte sind nie fertig gebaut. Sie müssen sich laufend neuen Gegebenheiten anpassen können. Bestehende Situationen müssen geprüft und langfristig qualitativ verbessert werden. Dies bedeutet oft, grossmassstäblich zu denken und mutige Entscheide zu treffen.
Was meinen Sie konkret damit?
An der Accademia di Architettura (Universität der Italienisch Schweiz, USI) haben wir uns gemeinsam mit den Studierenden in einer umfassenden Studie mit dem City-Ring, welcher als Viadukt über die Heuwaage führt, auseinandergesetzt. Das Viadukt teilt die Heuwaage optisch und physisch in zwei Teile. So kann keine Einheit entstehen. Deshalb sollten wir den Mut haben, über Grösse und Wegführung des Cityrings nachzudenken.
Was fehlt städtebaulich noch?
Es gibt an der Heuwaage noch einiges zu überdenken. Wichtig erscheint uns aber, dass sie die Aufenthaltsqualität eines Platzes bekommt und keine Kreuzung bleibt. Der vor rund 10 Jahren geplante «Heuwaage-Kreisel» wird ein wesentlicher Schritt in diese Richtung sein.
Vernachlässigt die Stadtentwicklung die Heuwaage?
Aus unserer Sicht verändert sich die Heuwaage Schritt für Schritt positiv. Vielleicht macht sie das etwas ruhiger und unbemerkter als andere Orte in der Stadt. Aber die Veränderungen sind nun doch spürbar.
Das alte Hochhaus von Arnold Gfeller wurde 1955 erbaut, das Viadukt 15 Jahre später. Beides scheint nicht zusammenzupassen.
Das Hochhaus war ein städtebaulicher Meilenstein als «Eingangstor» für Basel. Es war massstäblich gut gewählt und für die damalige Zeit gut gebaut. Doch mit dem Ende der 60er Jahren entstandenen Viadukt verlor es seinen städtebaulichen Bezug zum Birsigtal und somit an Bedeutung.
Re-use und Wohnschutz sind die grossen Themen in der Stadtentwicklung. Würden Sie das Haus immer noch abbrechen?
Städtebau und Architektur muss eine bestehende Situation verbessern und neue Impulse für die Entwicklung schaffen. Diese Aufgabe erfüllt das neue Heuwaage-Hochhaus zum Beispiel auf der Stadtebene, indem es zur bestehenden Bebauung Freiräume schafft und die Zugänglichkeit des künftigen Birsig Bogens stark verbessert. Das alte Gebäude wurde diesen Anforderungen nicht mehr gerecht. Wir haben die Bausubstanz detailliert studiert und Varianten geprüft, um den Bestand zu integrieren. Leider waren diese Konzepte unbefriedigend. Wir sind überzeugt, dass ein Ersatzneubau die richtige Lösung für diese Aufgabe ist. Diese Haltung wurde auch vom Grossen Rat mit der Genehmigung des Bebauungsplans bestätigt.
Es war ein langer Weg bis zum Baustart. Weshalb dauerte es so lange?
Für das neue Hochhaus musste ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Dieser war bereits nach drei Jahren, 2020, genehmigt. Grosse Verzögerungen gab es beim Baubewilligungsprozess, welcher nochmals drei Jahre gedauert hatte. Seit letztem Jahr liegt die Bewilligung vor und die Bauarbeiten starten demnächst.
Erst das Baloise Park-Hochhaus, jetzt die Heuwaage. Gibt es bald noch mehr Miller & Maranta entlang des City-Rings?
Ja, wir konnten im 2024 den Wettbewerb für zwei neue Hochhäuser neben dem Lonza-Hochhaus auf dem Lindenhofareal gewinnen und haben bereits mit der weiteren Planung begonnen. Auch das Grosspeter-Areal mit dem markanten Turm basiert auf einem von uns entwickelten Masterplan. Wir sind gespannt, ob es noch mehr werden wird und wie sich die Stadt rund um den City-Ring weiterentwickelt. An Visionen und dem Mut, gross zu denken, fehlt es uns nicht.




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