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Birsfelden baut – aber wer darf eigentlich mitbauen?

  • Mar 12
  • 2 min read

Updated: Mar 20

Lange tat sich wenig auf den Baustellen in Birsfelden. Jetzt stehen gleich mehrere grössere Wohnprojekte in den Startlöchern. Doch während neue Quartiere entstehen sollen, wächst eine andere Diskussion: Setzt die Gemeinde zu stark auf Genossenschaften – und lässt private Investorinnen und Investoren aussen vor?


Vogelperspektive mit Blick Richtung Kraftwerk über den Zentrumsplatz, den Birspark und das Schulareal by Harry Gugger Studio Basel
Urheber Harry Gugger Studio, Basel

Birsfelden hat eine besondere Ausgangslage. Die Gemeinde ist klein, dicht bebaut und verfügt über kaum freie Bauflächen. Anders als in vielen Nachbargemeinden können neue Quartiere hier selten auf der grünen Wiese entstehen. Wer bauen will, muss bestehende Areale neu denken: alte Gebäude ersetzen, Gewerbeflächen umnutzen oder ganze Areale transformieren. Entwicklung bedeutet hier fast immer Verdichtung.


Neue Projekte bringen Bewegung 

Nach Jahren eher ruhiger Bautätigkeit kommt nun Bewegung in die Sache. Mehrere grössere Projekte sollen in den kommenden Jahren hunderte neue Wohnungen ermöglichen – etwa rund um das geplante neue Dorfzentrum oder auf ehemaligen Gewerbe- und Industrieflächen. 

Die Strategie dahinter ist klar: Innenentwicklung statt Baulandexpansion. Bestehende Flächen werden dichter genutzt, Quartiere neu strukturiert und ältere Gebäude ersetzt. Angesichts der angespannten Wohnsituation in der Region Basel ist zusätzlicher Wohnraum politisch kaum umstritten.


Genossenschaften im Mittelpunkt 

Auffällig ist jedoch, dass viele Projekte von Wohnbaugenossenschaften realisiert werden sollen. Sie haben in Birsfelden traditionell eine starke Stellung und spielen auch bei den neuen Quartierentwicklungen eine zentrale Rolle.


Wachsende Kritik aus Investorensicht 

Doch nicht alle sehen diese Entwicklung positiv. Einige private Investorinnen und Investoren beobachten die aktuelle Baupolitik zunehmend kritisch. 

Ihr Vorwurf: Grössere Entwicklungsflächen würden häufig direkt an Genossenschaften vergeben – private Bauträger erhielten kaum Gelegenheit, sich an solchen Projekten zu beteiligen. Dabei sei das Interesse durchaus vorhanden gewesen. Viele investierende Parteien hätten sich gerne an der Entwicklung neuer Quartiere beteiligt. Sie stellen auch in Frage, ob mit den vielen Genossenschaftswohnungen genügend neue Einwohnende mit höherem Einkommen nach Birsfelden ziehen werden.


Mehr als nur Rendite? 

Private Bauträger argumentieren, dass moderne Immobilienprojekte längst mehr bieten als reine Renditeorientierung. 

Nachhaltige Bauweisen, gemeinschaftliche Räume, hochwertige Architektur und durchmischte Wohnformen seien heute in vielen Projekten selbstverständlich. Auch private Investorinnen und Investoren könnten Quartiere entwickeln, die ökologisch, sozial und städtebaulich überzeugen. Die Frage ist deshalb weniger, ob gebaut werden soll – sondern wer bauen darf.


Eine Strategie mit klarer Richtung 

Die Gemeinde Birsfelden verfolgt derzeit eine relativ klare Linie: neuer Wohnraum, aber stark über genossenschaftliche Modelle. Dieses Vorgehen entspricht einer wohnpolitischen Haltung, die stärker auf gemeinnützige Akteure setzt als auf den freien Markt. Ob dieser Ansatz langfristig die richtige Balance findet, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Sicher ist jedoch: Die neuen Bauprojekte werden das Gesicht von Birsfelden verändern. Die Diskussion darüber, wer an dieser Entwicklung mitbauen darf, dürfte damit erst richtig beginnen.

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