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Vom Stillstand zur Baustelle: Ein Wohnungsbau kämpft sich durch

  • 30. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Mai

Basel braucht zusätzlichen Wohnraum. Doch dieser soll nicht irgendwie, sondern sozialverträglich, nachhaltig und zukunftsorientiert entstehen – und ins Stadtbild passen. Ein Neubau an der Clarastrasse 50 in Basel will all diese Ziele erreichen. Nach einem langwierigen Bewilligungsprozess darf er es auch.


Flavio Spaini - Bild zVg
Flavio Spaini - Bild zVg

Herr Spaini, vor rund zwei Jahren haben wir über den für den von Ihnen geplanten Neubau berichtet. Damals schien ein Bauentscheid in weiter Ferne. 

Das war für mich eine zermürbende Zeit. Wir hatten faire Lösungen mit den Mietenden gefunden – und trotzdem kamen Einsprache und Rekurs. Jedoch nicht von den Mietenden, sondern vom Mieterverband. Das gehört zur Demokratie, wir mussten lernen, damit umzugehen. Aber wie lange sich alles hingezogen hat, war frustrierend. Gleichzeitig musste ich mir eingestehen: Wir haben die Komplexität dieses Projekts unterschätzt. Wir wollten bewusst Neues wagen, gerade bei der Nutzung – und schafften grosse Herausforderungen im Bewilligungsprozess für alle. Es war ein lernreicher aber eben auch langwieriger Prozess.


Die Bauarbeiten haben begonnen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? 

Stillgestanden ist nie etwas. Wir nutzten die lange Zeit für eine Zwischennutzung. Diese war für uns sehr wertvoll – nicht nur, weil sie Leben in die Strasse gebracht hat, sondern, weil wir dadurch gespürt haben, was an diesem Ort funktionieren kann. Gleichzeitig haben wir weitergeplant, obwohl wir nicht wussten, ob wir je bauen dürfen. Das war ein echtes Risiko – aber auch eine Frage der Verantwortung gegenüber den beteiligten Projektpartnern. Und dann, als es endlich weiterging, merkten wir: Ein Projekt lässt sich nicht einfach wieder hochfahren. Leute waren weg, Ressourcen anderweitig gebunden. Das hat mich Demut gelehrt.


Sie haben direkt mit dem Mieterverband verhandelt. Mussten Sie Zugeständnisse machen? 

Ich sehe das nicht als Zugeständnisse. Wir haben eine Lösung gefunden, die für beide Seiten stimmt – und die sich ehrlich anfühlt. Die verbindliche Zusage, die Wohnungen in Kostenmiete anzubieten passt zu unserem Anspruch, fairen Wohnraum zu schaffen. Und bei den ökologischen Massnahmen haben wir uns bewusst stärker verpflichtet, als wir gemusst hätten. Das erhöht unser Risiko – aber für mich war klar: Lieber investieren wir in Qualität und Nachhaltigkeit, als dass wir weiter Zeit und Energie in Blockaden verlieren.


Ist das Projekt wirtschaftlich noch tragbar? 

Ganz ehrlich: Das wissen wir erst am Schluss wirklich. Aber wir sind aktuell auf Kurs. Das gibt Vertrauen, richtig zu handeln und zu entscheiden. Was mir wichtig ist: Die ökologischen Entscheidungen stehen nicht zur Debatte. Die sind gesetzt. Unser Anspruch ist es, neuste Materialien und Technik zu verbauen, welche hohe Nachhaltigkeitsziele und Innovationskraft erfüllen. Es ist uns wichtig, Unternehmen und Produkte zu unterstützen, welche Nachhaltigkeit für alle erschwinglich machen soll. Wirtschaftlich tragbar soll das Projekt aber auch aufgrund seiner Nutzungen sein. Wir schaffen primär Wohnraum. Bei den Dienstleistungsflächen gehen wir bewusst ins Risiko. Wir geben dem Ort Zeit, sich zu entwickeln. Das kann kurzfristig weh tun, aber ich bin überzeugt: Nur so entsteht etwas, das langfristig trägt.


Wie geht es nun weiter? 

Wir sind mitten im Rückbau – Schritt für Schritt, bewusst vorsichtig. Auch aus Respekt gegenüber der Nachbarschaft. Nach dem Rückbau folgen Aushub und Hochbau. Das wird kein schneller Prozess – bewusst nicht. Wir arbeiten mit neuen Materialien und unter anspruchsvollen Bedingungen. Das verlangt Geduld. Aber genau darin liegt auch die Qualität.


Was haben Sie gelernt – und was raten Sie anderen Bauherren? 

Ich würde heute nie mehr ohne gesicherte Baufreigabe den Baustart terminlich fixieren – das Umfeld ist schlicht zu unsicher geworden. Und: Man muss sich stark einbringen. In Basel reicht es nicht, ein gutes Projekt zu haben. Man muss den Dialog suchen, zuhören, erklären – auch wenn es anstrengend ist. Kritik gehört dazu. Oft basiert sie auf Missverständnissen. Umso wichtiger ist es, klar zu zeigen, worum es wirklich geht.


Hat Sie das Projekt politischer gemacht? 

Ja, definitiv. Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie stark Rahmenbedingungen das Bauen prägen. Mich treibt die Frage um, wie wir mit den grossen Herausforderungen umgehen: Klima, Wohnraum, Verdichtung. Für mich ist klar: Weniger bauen ist keine Lösung. Wir brauchen mehr, aber besser. Mehr Wohnraum dort, wo Infrastruktur schon da ist. Deshalb bringe ich mich heute aktiv ein.


Worauf freuen Sie sich am meisten? 

Am meisten freue ich mich auf das, was wir noch nicht genau kennen: die Experimente bei den Dienstleistungsflächen. Wir haben bewusst anders gedacht – jetzt will ich sehen, ob es funktioniert. Und ich freue mich auf den Moment, wenn der Ort anfängt zu leben. Wenn Menschen ihn sich aneignen. Das ist letztlich der Grund, warum wir das alles machen – und auch in Zukunft weitere Projekte angehen werden. 

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