Leere Läden, leere Lager, leere Büros – und doch kein Platz für Produktion
Aktualisiert: vor 12 Stunden
In Basel-Stadt sind Produktionsflächen Mangelware. Gleichzeitig stehen in den beiden Basel über 500'000 Quadratmeter Geschäftsflächen leer. Ein Widerspruch? Nur auf den ersten Blick: Nicht jede Fläche eignet sich für jeden Betrieb, und nicht jedes Unternehmen kann sich Basel-Stadt leisten. Doch was, wenn wir heute Wohnungen bauen, wo morgen Arbeitsplätze fehlen?

Gerade einmal 100 Quadratmeter Produktionsfläche waren Mitte 2025 in Basel-Stadt verfügbar. Das hält der Regierungsrat in seinem Bericht «Strategische Stossrichtung zur Nutzungsverteilung zwischen Arbeiten und Wohnen auf den Arealen in Transformation» vom September 2026 fest. Grössere Reserven werden frühestens ab 2030 erwartet. Gleichzeitig standen im Juni 2026 in Basel-Stadt rund 230'000 Quadratmeter Geschäftsflächen leer, im Baselbiet rund 281'000 Quadratmeter.
Ein Büro ist keine Fabrik
Die Leerstandsstatistik umfasst Büros, Läden, Lager, Gewerberäume und Produktionshallen. Doch aus einer Büroetage wird nicht einfach eine Werkhalle: Maschinen brauchen belastbare Böden, Lastwagen geeignete Zufahrten. Dazu kommen technische Anforderungen, Sicherheitsvorschriften und die passende Nutzungszone.
Selbst wenn ein Gebäude geeignet wäre, muss sich ein Betrieb den Standort leisten können. Es fehlt nicht einfach an Quadratmetern, sondern an passenden und bezahlbaren Flächen.
Basel-Stadt: Was braucht die Stadt in Zukunft?
Basel-Stadt verfügt noch über rund 164 Hektaren Industrie- und Gewerbezonen. Gleichzeitig werden ehemalige Industrieareale zu neuen Quartieren. Auf sieben grossen Transformationsarealen ist langfristig ungefähr gleich viel Geschossfläche für Wohnen und Arbeiten vorgesehen.
Doch Arbeiten ist nicht gleich Produzieren. Büros lassen sich gut mit Wohnungen kombinieren, Industriebetriebe mit Lärm, Schwerverkehr oder besonderen Sicherheitsanforderungen deutlich weniger. Hohe Bodenpreise verschärfen die Konkurrenz: Flächenintensive Betriebe können mit renditestärkeren Nutzungen oft nicht mithalten. Noch verfügbare Grundstücke des Kantons und der Christoph Merian Stiftung werden zudem fast ausschliesslich im Baurecht abgegeben. Das ermöglicht langfristige Nutzungen, kann aber die Finanzierung erschweren.
Und dann ist da die Zeit: Grössere Produktionsflächen auf dem Klybeck- und dem Dreispitzareal werden frühestens ab 2030 verfügbar. Wer heute investieren will, kann nicht beliebig warten.
Doch was, wenn Basel eines Tages zu viele Wohnungen und zu wenig Platz für Unternehmen hat? Der heutige Wohnraumbedarf ist unbestritten. Aber stimmt die Rechnung auch noch in zehn oder zwanzig Jahren?
Allein auf vier Entwicklungsarealen ist Wohnraum für rund 11'750 Menschen vorgesehen: 8'500 im Klybeck, 1'400 im Dreispitz Nord, 1'200 auf dem Wolfareal und 650 im Lehenmatt. Gleichzeitig rechnet das Statistische Amt im mittleren Szenario bis 2050 mit rund 22'000 zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohnern im gesamten Kanton. Damit entspricht die geplante Wohnkapazität dieser vier Areale bereits mehr als der Hälfte des prognostizierten Bevölkerungswachstums. Und zahlreiche weitere Wohnbauprojekte sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Wie gut passen die langfristigen Baupläne zur tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung?
Einmal in Wohnquartiere umgewandelte Industrieflächen lassen sich kaum zurückgewinnen. Deshalb muss auch der künftige Bedarf an Produktionsflächen mitgedacht werden.
Basel-Landschaft: Mehr Platz, andere Herausforderungen
Im Baselbiet standen im Juni 2026 rund 26'000 Quadratmeter Produktionsflächen leer, dazu etwa 54'000 Quadratmeter Gewerbe- und 73'000 Quadratmeter Lagerflächen.
Das eröffnet Möglichkeiten, die der dicht bebaute Stadtkanton kaum bieten kann. Doch auch hier müssen Lage, Erschliessung, Infrastruktur und Kosten stimmen. Eine freie Halle ist noch kein passender Unternehmensstandort.
Zwei Kantone, ein Wirtschaftsraum
Wie Wohnen und Produktion miteinander vereinbart werden können, zeigt der Dreispitz an der Grenze zwischen Basel-Stadt und Münchenstein. Dort sollen Wohnungen entstehen, während die bisherigen Flächen für Gewerbe, Produktion und Dienstleistungen erhalten bleiben. Statt alles überall zu mischen, werden Nutzungen räumlich aufeinander abgestimmt.
Basel-Stadt fehlen kurzfristig verfügbare Produktionsflächen. Basel-Landschaft hat mehr Angebote, aber nicht für jeden Betrieb das Richtige. Eine gemeinsame Entwicklungsstrategie könnte helfen, geeignete Produktionsstandorte zu sichern und Wohn- und Arbeitsgebiete mit einem leistungsfähigen Mobilitätsnetz zu verbinden.
Entscheidend ist nicht, wie viele Wohnungen oder Arbeitsplätze jeder Kanton für sich schafft. Sondern wie die beiden Basel gemeinsam Raum für beides sichern – ohne heute Entscheidungen zu treffen, die sie morgen bereuen.



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