«Die Rheininsel-Initiative wirft das Klybeck-Quartier um Jahre zurück»
- 2. Juni
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Mehr Grün, mehr Wohnraum, mehr Lebensqualität: Salome Bessenich erklärt, weshalb die Entwicklung im unteren Kleinbasel ganzheitlich gedacht werden muss – und warum die Klybeck-Rheininsel-Initiative aus ihrer Sicht den falschen Weg einschlägt.

Frau Bessenich, Sie setzen sich für mehr Grünflächen in Basel Nord ein und lehnen gleichzeitig die Klybeck-Rheininsel-Initiative ab. Für viele klingt das widersprüchlich.
Nur auf den ersten Blick. Gerade weil die Grünraumversorgung im unteren Kleinbasel heute ungenügend ist, braucht es eine umfassende Lösung statt einer isolierten Insel-Idee. Wir haben hier die Chance, ein neues Stück Stadt zu entwickeln und gleichzeitig die Situation des heutigen Quartiers endlich zu verbessern – mit grosszügigen neuen Grünflächen, bezahlbaren Wohnungen, Platz für Gewerbe und Kultur. Dafür müssen wir das Gebiet als Ganzes denken.
Die Initiative macht genau das nicht?
Sie fokussiert sich auf eine einzelne Fläche und ein einziges Anliegen, wenn auch ein wichtiges. Die Entwicklung des Klybeck-Quartiers wird das ganze untere Kleinbasel über Jahrzehnte prägen. Entscheidend ist doch, wie das gesamte Quartier künftig funktioniert und zusammenlebt. Grünräume entfalten ihren Wert vor allem dann, wenn sie gut eingebunden und für viele Menschen direkt zugänglich sind.
Wie sieht diese Entwicklung aus Ihrer Sicht konkret aus?
Mit dem Gegenvorschlag zur Initiative «Hafen für alle» haben wir wichtige Rahmenbedingungen geschaffen, etwa dass mindestens 50% der Fläche zukünftig Grün- und Freiraum sein soll. Damit schaffen wir mehr Grün als durch die Insel-Initiative entstehen würde und stellen sicher, dass sich das ganze Quartier nachhaltig entwickeln kann.
Was braucht es dafür?
Abgesehen von genügend und zugänglichen Grünflächen braucht es auch dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Zusätzlich braucht es Flächen für Gewerbe, Kultur und Freizeit. Entscheidend wird die richtige Balance sein: eine angemessene Dichte, nachhaltige Bauweise und viel Grün. Dafür müssen die verschiedenen Areale und das bestehende Quartier zusammenhängend gedacht werden.
Das Potenzial direkt am Rhein ist enorm.
Absolut, hier bietet sich eine einmalige Chance. Mit neuen Grünflächen, einem attraktiv gestalteten öffentlichen Rheinufer und viel bezahlbarem Wohnraum kann hier ein lebendiges Quartier mit hoher Lebensqualität entstehen. Auch das ist Teil der heutigen Planung: Die Wohnungen auf dem Boden des Kantons werden allesamt in Kostenmiete, preisgünstig nach kantonalem Wohnbauprogramm oder als selbstgenutztes Wohneigentum erstellt und betrieben werden – es wird also viel bezahlbarer Wohnraum entstehen.
Heute ist das Gebiet noch stark vom Hafen geprägt.
Genau, die Transformation des Hafens bestimmt den gesamten Zeitplan, wir sollten also nicht vorschnell in die Detailplanung gehen. Kürzlich wurden neue Verzögerungen und Mehrkosten rund um die Verlegung der Hafenbahn bekannt. Umso wichtiger ist es, dass die Entwicklung in einem offenen und partizipativen Prozess erfolgt – mit genügend Spielraum, damit auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse einbringen können.
Trotzdem existieren bereits konkrete Bilder und Visualisierungen.
Natürlich, die Bevölkerung soll sehen können, welches Potenzial im Gebiet steckt, dazu haben ja auch die heutigen Zwischennutzungen schon beigetragen. Besonders überzeugend finde ich die Idee eines grossen Grünraums zwischen dem heutigen Ackermätteli und dem Rhein, von dem auch die Bewohnenden des bestehenden Quartiers direkt profitieren. Genau solche Verbindungen machen am Ende den Unterschied: Grünräume, die mitten im Quartier liegen und den Alltag der Menschen direkt verbessern.
Was wären die Folgen einer Annahme der Initiative?
Sie würde die gesamte Planung entlang des Klybeckquais zurück auf Null setzen und hätte auch Auswirkungen auf die Planung Klybeckplus, die bereits weit fortgeschritten ist. Hinzu kämen enorme Kosten von mehreren hundert Millionen Franken zur Realisierung der grünen Insel. Wir dürfen nicht vergessen, dass es diese Insel heute ja gar nicht mehr gibt.
Wie wichtig ist Basel Nord insgesamt für die Zukunft der Stadt?
Sehr wichtig. Basel ist der kleinste Kanton der Schweiz und verfügt nur über wenige Entwicklungsflächen. Gerade deshalb müssen wir diese Flächen sorgfältig und ganzheitlich planen. Wichtig ist dabei auch, dass diese Entwicklungen nicht nur Mehrwert für die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner bieten, sondern das Potenzial auch im Sinne der bestehenden Quartiere Klybeck und Kleinhüningen genutzt wird.
Wie sieht Ihre persönliche Vision für das neue Klybeck aus?
Ich wünsche mir ein lebendiges und durchmischtes Quartier mit viel Grün, bezahlbaren Wohnungen und einem attraktiven Rheinufer, das an das bestehende Quartier anknüpft und sich mit diesem verwebt. Einen Ort, an dem Menschen gerne wohnen und sind, mit dem man sich identifiziert. Das macht eine lebenswerte Stadt aus.
Und diese Vision sehen Sie durch die Initiative gefährdet?
Zumindest stark eingeschränkt. Ich bin überzeugt, dass wir mit den heutigen Rahmenbedingungen deutlich mehr erreichen können – für das Quartier, für die Bevölkerung und für Basel insgesamt. Mit der jetzigen ganzheitlichen Planung schaffen wir mehr Grünflächen als mit der Initiative. Und vor allem schaffen wir Grünflächen, die direkt ans bestehende Quartier anschliessen. Darum werde ich die Klybeckinsel-Initiative klar ablehnen.



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